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Schummelei dei der Pharma


Eigentlich wollte ich dazu ja gar nichts sagen, aber (mit Verlaub): Ein Autobauer fälscht Abgaswerte und ein Aufschrei geht durch die Politik und die Medienlandschaft… Leitartikel werden verfasst und Sondersendungen gedreht…

Da muss man sich doch mal fragen, wo die Prioritäten liegen? Schrebt Rene Gräber.
Erstens: Durch falsche Abgaswerte stirbt kein Mensch. Das sah im Fall der defekten Zündschlösser und rutschenden Fußmatten (andere Hersteller!) ganz anders aus! Wo war denn da der Aufschrei?
Zweitens: Themen, bei denen Menschen (Patienten) massiv zu Schaden kommen können, werden bestenfalls mit Randnotizen bedacht, zum Beispiel: Die „bösen Buben“ der Pharmaindustrie beim Schummeln erwischt

Wir alle wissen und glauben ganz fest, dass die Pharmaindustrie zu unserer aller Wohl da ist und da zu sein hat. Das Geschäftliche an solchen „Institutionen“ ist natürlich nebensächlich oder auch nur ein notwendiges Übel. Sind wir uns da einig?

Aber dennoch scheinen die angesprochenen Firmen sich nicht an diese Erwartungshaltung zu halten: Immer wieder verstoßen sie gegen Auflagen oder wenden Tricks an, um Verkaufsschranken zu unterlaufen. Das allerdings geht nicht immer reibungslos über die Bühne; immer wieder fliegt die eine oder andere Firma mit ihren speziellen Machenschaften auf – und wird bestraft.

In der Regel ist die Strafe nicht mehr als eine Tracht Prügel, die schon bald vergessen ist. Natürlich gibt es da keine „Prügel“ im wörtlichen Sinne – eigentlich ist es noch harmloser. Denn die Strafen bestehen in Zahlungen, die für die betroffenen Firmen kaum der Rede wert sind. Es sind eher sowas wie finanzielle „Nadelstiche“, die man locker aushalten kann und die leider oft schon im Verkaufspreis der Medikamente mit einkalkuliert sind. Um bei dem Beispiel mit der „Tracht Prügel“ zu bleiben: Damit hätte man sich ein Stück Schaumstoff in die Hose gesteckt und dann in aller Seelenruhe die Prügel über sich ergehen lassen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Nun ist es wieder so weit und eine besonders große Pharmafirma hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und ist auffällig geworden: GlaxoSmithKline, kurz Glaxo. Die sind nämlich in den Vereinigten Staaten vor Gericht gezerrt und von der amerikanischen Regierung verklagt worden. Am 2. Juli dieses Jahres bekannte sich Glaxo schuldig in 3 Fällen von kriminellem Fehlverhalten und zivilrechtlichen Vergehen im Bezug auf die verschreibungspflichtigen Medikamente Paxil (deutsche Präparatenamen sind ParoLich, Paroxalon, Paroxat, Seroxat, Tagonis), Wellbutrin (Elontril, Zyban) und Avandia. Die Firma stimmte der Zahlung einer Strafe zu, die die Rekordsumme von 3 Milliarden Dollar betrug – 1 Milliarde Dollar als Strafe für kriminelle Vergehen und 2 Milliarden für die zivilrechtlichen Verurteilungen. Diese Summe stellt die höchste gezahlte Strafe für eine Betrugsverurteilung in der amerikanischen Geschichte dar, und ist sie sehr wahrscheinlich auch in der Geschichte der Pharmaindustrie.

Glaxo hat „prominente“ Vorgänger beim Schummeln

Bis zum Jahr 2009 war die Firma Pfizer die ungeschlagene Betrugskönigin mit einer Strafzahlung von 2,3 Milliarden Dollar, die wegen ähnlicher Vergehen angeklagt worden war (Quelle: http://www.nytimes.com/2009/09/03/business/03health.html?_r=0).

Erst letzten Mai musste die Firma Abbott sich vor Gericht verantworten. Sie hatte ein von ihr produziertes Medikament gegen Anfälle so vermarktet, dass es auch bei Indikationen eingesetzt werden sollte, für die es gar keine Zulassung gab, nämlich bei der Demenz bei älteren Leuten. Diese unerlaubte Indikationsausweitung kostete der Firma 1,6 Milliarden Dollar (Quelle: http://www.nytimes.com/2012/05/08/business/abbott-to-pay-1-6-billion-over-illegal-marketing.html).

Johnson und Johnson sind auch kein unbeschriebenes Blatt. Auch diese Firma erweiterte einfach mal kurz, schmerzlos und eigenmächtig die Indikationsliste für ihr Neuroleptikum Risperdal und sieht sich nun einem möglichen Urteil von 1,6 bis 2 Milliarden Strafzahlung ausgesetzt. Die Liste ließe sich noch beliebig lange mit mehr oder weniger hohen Strafzahlungen fortsetzen. Es bleibt der Eindruck, dass betrügerische Praktiken Teil des Tagesgeschäfts der Pharmafirmen sind, nicht zuletzt weil diese genau wissen, dass die Strafen nicht wirklich Strafen sind.

Natürlich sind 3 Milliarden Dollar kein Pappenstiel, auch nicht für einen Pharmariesen wie Glaxo. Aber die Summe ist immer noch relativ lächerlich, wenn man bedenkt, dass Glaxo mit den Psychopharmaka alleine schon 27,5 Milliarden Dollar verdient hat. Vor diesem Hintergrund tun 3 Milliarden nicht mehr ganz so weh. 27,5 Milliarden Dollar ist der Schaumstoff in der Hose, der für formvollendetes Wohlbefinden sorgt, trotz Haue. Vor diesem Hintergrund kann man seine Chemie auch ruhig für Kinder anpreisen, obwohl das Präparat nur für Erwachsene zugelassen ist.
Warum sich da noch lange mit „evidenzbasierten Studien“ aufhalten, wovon Firmen anscheinend selber wissen, dass die erstunken und erlogen sind? So was hält einen ja nur auf bei der Umsatzsteigerung und kostet auch noch! Außerdem hatte zum Beispiel Glaxo diese Präparate auch noch für Störungen der Sexualfunktion zum Einsatz kommen lassen, um den umsatzträchtigen Viagra-Markt etwas anzukratzen. Damit die Indikationserweiterungen auch in der Praxis zum Tragen kamen, griff die Marketingabteilung zu den bekannten Waffen der Industrie: Ärzte wurden mit Geschenken überschüttet, erhielten Beraterverträge bei Glaxo, wurden als bezahlte (Für)-Sprecher angeworben und gingen auf Kosten der Firma zu beliebten Sportveranstaltungen (Quelle: http://www.huffingtonpost.com/robert-reich/how-not-to-get-big-pharma_b_1653588.html).

Interessant auch hier wieder: Ganz wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Verfahren gegen andere Pharmafirmen fällt auf, dass nur die Firma selbst angeklagt ist und zur Rechenschaft gezogen wurde. Von einer Anklage gegen verantwortliche Manager und Führungskräfte ist nicht die Rede. Es geht zwar das Gerücht um, dass die verantwortlichen Manager ihren Erfolgsbonus an die Firma zurückzahlen müssen, aber die Firma selbst sieht die Zahlung der Strafe überhaupt nicht als ein Schuldeingeständnis.
Quelle: http://naturheilt.com/blog/boese-buben-pharmaindustrie-beim-schummeln-erwischt/

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