Schwere Pannen bei Organentnahmen


Es klingt wie ein Albtraum. In einem Krankenhaus im Raum Bremen mussten Ärzte eine Organspende abbrechen, weil der Spender womöglich noch lebte. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Es ist wohl nicht das erste Mal, dass ein derartiger Fehler vorkommt. Ärzte haben den Hirntod eines Patienten nicht einwandfrei festgestellt- und trotzdem mit der Operation zur Entnahme von Organen begonnen. In einem Krankenhaus im Raum Bremen/Bremerhaven wurde Anfang Dezember 2014 eine Organspende abgebrochen, weil der Spender womöglich noch lebte. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Montagsausgabe. Demzufolge hatten Operateure bereits den Bauch des Spenders geöffnet, als auffiel, dass dessen Hirntod nicht nach den dafür vorgesehenen Regeln diagnostiziert worden war.

Auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), deren Mitarbeiter die Korrektheit der Hirntoddiagnostik vor einer Organspende überprüfen müssen, weiß über den Fall Bescheid. Die Stiftung teilte der „Süddeutschen Zeitung“ auf Anfrage mit, sie habe die bei der Bundesärztekammer angesiedelte Überwachungskommission über die „Unklarheiten in Bezug auf die Hirntoddiagnostik bzw. ihre Dokumentation“ in diesem Fall informiert.

In Deutschland besitzen rund 30 Prozent der 14- bis 75-Jährigen einen Organspendeausweis. Aktuell warten laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rund 11.000 Patienten auf eine Organspende.

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4 Kommentare zu „Schwere Pannen bei Organentnahmen“

  1. Die Hirntoddiagnostik ist theoretisch sicher, aber leider in der Praxis weit weniger sicher als immer behauptet wird

    Krankenhaus in Bremerhaven wurde der Hirntod einer Organspenderin möglicherweise nicht vollkommen korrekt festgestellt. Darauf wurde die bereits begonnene Organentnahme abgebrochen. Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ [1]. Prof. Dr. Gundolf Gubernatis, Transplantationsmedziner aus Wilhelmshaven, nimmt den Vorfall zum Anlass, erneut über die seiner Ansicht nach mangelhafte Hirntoddiagnostik in Deutschland zu sprechen.

    Medscape Deutschland: Sie sind Transplantationsmediziner, und Sie haben auf Ihrem Organspendeausweis seit einiger Zeit ein „Nein“ angekreuzt. Warum?

    Prof. Dr. Gubernatis: Eines vorweg: Die Organspende ist ein gute und immens wichtige Sache. Aber sie ist mir im Moment zu unsicher.

  2. Die Hirntoddiagnostik ist theoretisch sicher, aber leider in der Praxis weit weniger sicher als immer behauptet wird. Nur wenn die Ärzte über Erfahrung und Know-How verfügen und sich mit den Fallstricken der Hirntoddiagnostik auskennen, wäre sie sicher.

    Im Übrigen muss man auch sehen, dass der Hirntod nicht für alle Menschen den Tod in weltanschaulicher oder religiöser Hinsicht darstellt. Den Moment des Todes kann man nicht medizinisch beweisen. Es wäre töricht, das anzunehmen. Jeder Mensch muss selber entscheiden, ob er den Hirntod als Tod anerkennt. Aber wenn, dann muss die Diagnose absolut sicher und verlässlich gestellt werden. Dann sind meins Erachtens auch Fehlerquoten im Prozentbereich inakzeptabel!

  3. Richtig, jedenfalls nach den mir jetzt bekannten Umständen. Sogar die BÄK hat gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, die über den Fall berichtete, eingeräumt, dass der Apnoe-Test nicht den Richtlinien entsprochen hat. Trotzdem hatte die Bundesärztekammer zunächst behauptet, die Patientin sei sicher hirntot gewesen, es habe nur Unsicherheiten in der Dokumentation gegeben. Ich fühle mich hier durch die Bundesärztekammer getäuscht. Seit Wochen prüft nun die Kammer den Fall. Warum so lange? Um eine Schwäche in der Dokumentation aufzudecken? Ich habe den Eindruck, die Kammer will nicht aufklären, sondern die Öffentlichkeit in Sicherheit wiegen und

    die Ursachen verschleiern.

  4. Prof. Dr. Gubernatis: Bis vor wenigen Jahren hätte ich mir die Bundesärztekammer vorstellen können, aber nach den Ereignissen vor allem im letzten Jahr und jetzt im Januar habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Kammer nicht wirklich an den Organspenden und deren Steigerung interessiert ist – jedenfalls gibt es hierfür viele konkrete Anhaltspunkte. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Politik erkennt, dass man Hirntoddiagnostik und Organspende nicht privaten Organisationen überlassen darf, auch nicht der Bundesärztekammer!

    Ich könnten mir vorstellen, dass man diese Bereiche in staatliche Hände legt und eigene Institute gründet oder an bestehende Institute ansiedelt, so wie es jetzt auch häufiger vorgeschlagen wird: Die Organspende gehört in die ureigendste Verantwortung des Staates.

    REFERENZEN:

    1. Artikel der “Süddeutschen Zeitung“, “Experten beklagen Täuschung der Öffentlichkeit“

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