Betablocker und die Sucht danach


Einen Betablocker für Mama, einen für Papa, einen für Opa, einen für Oma…. Seit zig Jahren haben die Ärzte Betablocker verschrieben. Nimmt man diese über mehrere Jahre, kommt man kaum noch von diesen Tabletten weg. Apotheker empfehlen deshalb nur sehr sehr langsam abzusetzen. Die Verringerung der Dosis auf sehr lange Zeit. Werden Blutdrucksenker und Betablocker verschrieben, stellt sich bald ein erhöhter HBA 1 ein. Die Diagnose dann: Sie haben Zucker! Als nächstes wird dann Metformin verschrieben, wenn dann das nicht mehr hilft, gibt es Insulin. So geht dann die Spirale immer weiter hoch…

Betablocker sind Medikamente, die Betarezeptoren blockieren. Wenn sie die Betarezeptoren am Herz blockieren, dann resultiert dass in einer Senkung der Herzfrequenz. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine Absenkung der Basisfrequenz, wie dies zum Beispiel bei einem kardial wirksamen Kalziumantagonisten der Fall ist. Vielmehr werden Katecholamine durch die Blockade gehindert, die Rezeptoren am Herz zu besetzen und dadurch die Herzfrequenz zu erhöhen. Außerdem besitzen die Betablocker eine blutdrucksenkende Wirkung, deren Mechanismus aber noch nicht restlos geklärt zu sein scheint. Aber Blutdruck- und Herzfrequenzsenkung entlasten das Herz und ökonomisieren die Herzarbeit. Das hört sich alles gut an und sollte den Patienten den entsprechenden Nutzen bringen.

Um die Hypothese vom Nutzen der Betablocker zu beweisen und für die alltägliche Praxis zugänglich zu machen, kam ein berühmter niederländischer Kardiologe auf die Idee, eins, zwei, drei, ganz viele Studien zu machen, die genau dies beweisen sollten. Don Poldermans hieß der gute Arzt-Forscher, der seine Empfehlungen für den weit gestreuten Einsatz von Betablockern (fehlt nur noch das Zeugs im Trinkwasser…) von seinen DECREASE-Studien ableitete. Poldermans war zudem seinerzeit (bis 2011) auch Vorsitzender des europäischen Komitees, das Leitlinien zum Einsatz von Betablockern im Namen der European Society of Cardiology (ESC) erstellte und verbreitete. Das Erasmus Medical Center in Rotterdam, wo er hauptsächlich tätig war, feuerte ihn im November 2011. Warum dies? (Übrigens: was von “medizinischen Leitlinien” zu halten ist, beschreibe ich im Beitrag: Medizinische Leitlinien – Gefährliche “Leitplanken” im Medizinverkehr)

Wenn man „CardioBrief“ glauben darf, dann war es mit seiner groß angelegten Studie DECREASE (Dutch Echocardiographic Cardiac Risk Evaluation Applying Stress Echocardiography) nicht weit her. Denn ein weiteres Komitee fand heraus, dass es eine Reihe von schwer gewichtigen Fehlern und Protokollverletzungen in den Studien DECREASE II und VI gab. Man ging davon aus, dass DECREASE II, IV und VI nur noch dem Namen nach doppelblind durchgeführt worden sind. Das heißt, dass nicht autorisierte, an der Studie beteiligte Personen wussten, welche Patientengruppe Plazebo und welche Verum erhielt. Für DECREASE VI konnte das Komitee zeigen, dass es hier zur “Fabrikation” von Daten gekommen war. Aus diesem Grund empfahl das Komitee, diese Studie abzubrechen, da wissenschaftlich aussagekräftige Ergebnisse schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich waren.

Die Studienserie wurde mit dem Betablocker Bisoprolol und eine Studie (DECREASE III) mit Fluvastatin, einem Statin, durchgeführt. Bei allen Arbeiten kamen traumhaft gute Ergebnisse für die getesteten Substanzen bezüglich Senkung der Mortalität, Herzinfarkt, Ischämien und so weiter zustande. Diese Ergebnisse waren sogar den Kollegen des werten Prof. Poldermans zu gut um wahr zu sein („This very large treatment effect is likely too good to be true“ in Randomized Trials Stopped Early for Benefit).

Grund für die außerordentlich guten Ergebnisse scheinen hier Zuwendungen zu sein, die von einer handvoll Pharmafirmen getätigt worden waren, wie zum Beispiel Medtronic, Novartis, Merck, Roche Diagnostics etc. (Prominent Dutch Cardiovascular Researcher Fired for Scientific Misconduct). Denn Pharmafirmen verlangen Ergebnisse, die vermarktbar sind. Hätte der gute Professor herausgefunden, dass Betablocker keinen Effekt oder sogar einen negativen Effekt bei bestimmten Krankheitsbildern gehabt hätten, dann wäre damit kein müder Euro zu verdienen gewesen.

Deshalb wundert es mich auch nicht mehr, wenn urplötzlich ein Statin mit in einer der Studien auftaucht und irre gute Senkungen des plötzlichen Herztods bewirkt haben soll. Wie macht die Substanz das? Gibt es solche dramatische Auswirkungen einer Substanz, die nur atherosklerotische Plaques verhindern soll? Dazu müsste diese Substanz dann vorhandene Plaques in Rekordzeit abbauen und so das Gefäßsystem blank putzen und erneuern. Es gibt aber keinen Hinweis, dass Statine dazu in der Lage wären. Wie es auch fraglich ist, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gefäßschäden ursächlich auf hohe Cholesterinwerte zurückzuführen sind. Apropos Cholesterinsenker und Medikamentenskandal: Hierzu gäbe es auch noch etwas zu sagen, beziehungsweise habe ich schon gemacht – Der Lipobay-Skandal – offensichtlich ein weiterer zu vernachlässigender Einzelfall…

Quelle: naturheilt.com/blog/betablocker-fuer-alle-2014/

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3 Kommentare zu “Betablocker und die Sucht danach”

  1. Dies „Nebenwirkung“ beim Versuch, die Medikamente abzusetzen ist nichts Ungewöhnliches.

    Der Betablocker lässt keine Katecholamine mehr an die Betarezeptoren ran, wodurch diese, so erklärt man sich das, „blank geputzt werden“, also für Katecholamine wieder sensibilisiert werden.

    Die Folge ist, dass beim Fehlen des Blockers die Katecholamine die Rezeptoren wieder besetzen können und stärker als zuvor wirken.

    Folge: „Herzrasen“, da der Organismus zum einen die hohen Herzfrequenzen nicht mehr gewohnt ist und zum anderen die „blank geputzten“, jetzt sensibleren Rezeptoren für die entsprechend verstärkte Reaktion sorgen.

    Man spricht hier von einem „rebound-effect“, was die Hersteller von Betablockern aber gar nicht gerne hören. Denn Rebound-Effekte sind beim Arzt gefürchtet und veranlassen diesen oft, auf andere Medikamente zurückzugreifen.

    1. Nun, was soll ich tun. Ich habe auch Betablocker vom Arzt, wegen Herzrasen/Vorhofflimmern, verordnet bekommen. Nur es brachte keinen Erfolg! Ich war
      bei zwei verschiedenen Kardiologen. Beide sagten ich solle die Medikation beibehalten.
      Dann war ich zur Darmspiegelung, ich wollte auf dem Bildschirm zuschauen und bekam
      deswegen keine Betäubung. Als der eingeführte Schlauch in die Nähe des Zwerchfells
      bzw. Herz kam, konnte ich gerade noch sagen: mir wird so komisch und schon gab das
      Gerät Alarm – Vorhofflimmern! Ich durfte nicht mehr aufstehen und wurde in die Notaufnahme gebracht, abends kam ich, immer noch liegend und mit dem EKG verbunden
      in die medizinische Abteilung des Krankenhauses! Dort fragte ich die Stationsschwester
      ob ich aufstehen dürfte um auf die Toilette zu gehen. Nach einigem Zögern ging Sie mit
      mir, da ich mit dem fahrbaren EKG-Gerät nicht durch die zimmereigene Toilette kam,
      über den Gang zum Badezimmer, ich durfte Tür nicht verschließen, dort konnte ich die
      aufgestaute Luft im Darm als “ Pupser “ ganz schnell loswerden!!! Mein, den ganzen
      Tag anhaltendes Vorhofflimmern war weg!!! Von der älteren Stationsschwester hörte ich
      das erste Mal vom Roemheld-Syndrom. Der Stationsarzt kam und verordnete mir mir
      auch noch andere Betablocker, die müsste ich nun noch zusätzlich nehmen und nein ich darf nicht nach Hause, ich müsse noch drei Tage zur Beobachtung bleiben.
      Das Vorhofflimmern trat nicht mehr auf! Die neuen Tabletten nahm ich nicht!
      Wieder zuhause machte ich mich über das Roemheld Syndrom schlau und merkte das
      die Symptome genau auf mich zutreffen! Ich verringerte die Betablocker, das ging gut
      bis ich sie ganz absetzte dann bekam ich nach vier bis sieben Tagen Herzstolpern in
      Ruhe und es schaukelte sich bis zum Vorhofflimmern auf, wenn ich mich dann körperlich anstrengte ging es weg, ich hatte keinerlei Brustenge oder Schmerzen bzw. Atemnot.
      Wieder zum Kardiologen und EKG, er hat es mir am Bildschirm gezeigt, sagte alles
      sei ok und das Herz pumpe nach dem normalen Rhythmus einmal leer sodass ich den
      zweiten normalen Herzschlag nicht spüre! Bei den letzten Blutuntersuchungen war
      mein HBA 1c Wert erhöht, genau wie oben im Bericht erwähnt.
      Ich ernähre mich seit etwa sechs Monaten vegetarisch, meine Blutwerte sind alle im
      Grünen Bereich, Sport: zweimal die Woche, jeweils ca. 90 Minuten Nordic Walking,
      drei mal abends je eine Stunde Gymnastik und jeden Tag eine Stunde schnell gehen.

      Meine Frage an Sie: Wird oder kann sich mein Körper irgendwann wieder an einen normalen Herzschlag, ohne Betablocker, gewöhnen oder muss ich diese Bisoprolol weiter
      einnehmen. ???
      Vielen Dank für eine Antwort.

      1. sie sollten auf keinen Fall dieses Medikament eigenständig absetzen. gehen sie zu einem guten Naturarzt, der das Ausleiten begleitet. Früher wurden viel zu schnell diese Medikamente verschrieben.

        Lesen Sie hier mehr über das Medikament http://medikamente.netdoktor.de/wirkstoffe/bisoprolol/

        http://www.paracelsus.de/heilv/roemheld.asp

        Gegen die übermäßige Ansammlung von Gasen lassen sich Arzneimittel wie Dimeticon zur Entschäumung oder Simeticon gegen Blähungen und Völlegefühl einsetzen.

        Alternativ können auch Hausmittel wie Kümmeltee, Fencheltee, Anistee, gequollene Flohsamenschalen oder eine Bauchmassage zur Anwendung kommen. Diese verfügen über die Eigenschaft, Gase im Magen-Darmbereich aufzulösen.

        Eine entgasende Wirkung wird zudem homöopathischen Mitteln wie Carbo vegetalis zugeschrieben.

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