Blut im Stuhl?


Die Fragen nach Blut im Stuhl sind nicht selten. Täglich erreichen mich solche Fragen und was das sein könnte. Natürlich ist es immer beunruhingend zu bluten, doch es muss nicht immer gleich das Schlimmste befürchtet werden. Frisches und helles Blut nach dem Stuhlgang ist öfters gar nicht so schlimm, doch sollte dies ärztlich abgeklärt werden wenn es öfter vorkommt. Viele haben Angst, dass eine Darmspiegelung durchgeführt werden muss, das viele als sehr unangenehm empfinden.
Es gibt mittlerweile einige Labors, die eine solch subtile Diagnostik durchzuführen in der Lage sind. Da die Interpretation der Befunde immer auch die klinische Symptomatik voraussetzt, sollte ein darin erfahrener Therapeut solche Untersuchungen veranlassen, bewerten und die daraus notwendigen therapeutischen Konsequenzen ziehen. Zu oft erlebe ich noch, dass zwar eine Stuhluntersuchung durchgeführt wurde, dort auch eine Dysbalance der Darmflora mit (meist) einem hohen Stuhl-pH (Säure-Basen-Wert) als Hinweis auf einen Fäulnisstuhl gefunden wurde und dann einfach die „fehlenden“ Bakterien ersetzt wurden. Dabei handelt es sich jedoch um eine mechanistische, reduktionistische Behandlung, die fast nie zum Erfolg führt, weil damit die zugrunde liegende Störung, die die Fäulnisprozesse erst in Gang setzt, überhaupt nicht angegangen wurde.

Wenn Sie wegen Blähungen zum Gastroenterologen, also zum Facharzt für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes gehen, so wird er neben einer körperlichen Untersuchung (bei der er dann den bekannten geblähten Bauch feststellt) wahrscheinlich eine Untersuchung des Stuhles auf verstecktes Blut sowie gegebenenfalls eine Magen- und/oder eine Darmspiegelung veranlassen. Diese Untersuchungen sind bei Verdacht auf ein Magen- oder Darmgeschwür, auf Polypen, auf Krebs oder weitere organisch manifeste Erkrankungen durchaus angezeigt. Bei Blähungen helfen diese Maßnahmen in der Regel nicht weiter, da meist eine Störung der Funktion, nicht aber der Struktur vorliegt. Und so wird der von Blähungen Geplagte meist mit der Diagnose „Meteorismus unklarer Genese bei Ausschluss organischer Erkrankungen“ oder „Colon irritabile“ entlassen oder zum Psychologen/Psychiater überwiesen.

Dass aus dem Stuhl wesentlich mehr Informationen als nur das möglicherweise versteckte Blut gewonnen werden können, steht zwar in jedem Lehrbuch der Inneren Medizin, wird aber unverständlicherweise von den meisten Ärzten nicht umgesetzt (oder sollte es daran liegen, dass eine Magen-/Darmspiegelung gut abgerechnet werden kann, während eine subtile Stuhldiagnostik das Laborbudget sprengt?). Aus diesem Grunde führen die wenigen Ärzte, die sich damit auskennen, eine solche Diagnostik als Privatabrechnung oder IGeL (Individuelle GesundheitsLeistung) durch. Blähungen werden in unserem Gesundheitssystem eben nur als Befindensstörung und nicht als Krankheit angesehen – und für Befindensstörungen kommen die Kassen nicht auf.

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