Strahlenkrankheit verändert die DNA – Radioaktivität


Aus aktuellem Anlass des Atomaren Reaktorunfalls in Japan und vielen Anfragen der Leser gebe ich hier einige Informationen weiter. Nach einem Strahlenunfall zeigen sich Frühschäden innerhalb von wenigen Stunden in Form unspezifischer Symptome, gefolgt von einer relativ beschwerdefreien Latenzphase. Schließlich entwickelt sich das volle Krankheitsbild, indem immer mehr Zellen zu Grunde gehen. Je nach Dosis erholen sich Strahlenopfer dann langsam – oder versterben. Letztlich bestimmt die vom Körper aufgenommene Strahlungsenergie die Stärke der Schäden und damit auch die Überlebensrate. Als Einheit ist das Gray (Gy) geläufig. Die von einem Organ absorbierte Energie wird auch als „Organenergiedosis“ bezeichnet. Um die Strahlenwirkung auf den Körper abzuschätzen, reicht die alleinige Angabe der Energiedosis allerdings nicht aus. Der Grund dafür ist, dass die verschiedenen Strahlungsarten (Alpha-, Beta-, Gamma-Strahlen) bei gleicher Energiemenge im Gewebe unterschiedliche biologische Wirkungen entfalten. Die biologische Wirksamkeit der Strahlung wird deshalb durch so genannte Wichtungsfaktoren erfasst. Das Produkt aus Organenergiedosis und dem Wichtungsfaktor heißt dann „Organdosis“. Ihre Maßeinheit ist das Sievert (Sv).

Bei Belastungen zwischen einem und sechs Sievert stehen neben Übelkeit oder Erbrechen Schäden des blutbildenden Systems im Mittelpunkt. Radioaktivität zerstört bei dieser hämatopoetischen Form der Strahlenkrankheit diverse Vorläuferzellen im Knochenmark – das Infektionsrisiko steigt rapide an und unspezifische Blutungen treten auf. Ohne adäquate Therapie versterben etliche Patienten, die Mortalität steigt bis auf 60 Prozent bei Werten um sechs Sievert. Bereits ab etwa drei Sievert zeigt die Haut erste Schäden, die auf den ersten Blick Verbrennungen ähneln.

Erhöht sich die Belastung weiter, sprich betragen die Strahlendosen fünf bis 20 Sievert, gehen Zellen des Magens und des Darms zu Grunde. Diese gastrointestinale Form der Strahlenkrankheit ist mit starken Blutungen und dem massiven Verlust von Elektrolyten verbunden. Ein Teil erholt sich zwar subjektiv. Nach dieser sprichwörtlichen Walking-Ghost-Phase tritt aber unweigerlich der Tod ein. Ohne intensivmedizinische Maßnahmen liegt die Mortalität bei nahezu 100 Prozent. Über 20 Sievert hinaus beobachten Fachärzte Schäden am zentralen Nervensystem, und das Herz wird in Mitleidenschaft gezogen – eine realistische Überlebenschance für die Patienten besteht nicht mehr.

Schwache Dosis – langsame Wirkung
Dass auch relativ geringe Strahlendosen unter 0,5 Sievert Krebsraten erhöhen, mag zunächst erstaunen. Akute Symptome finden Kollegen bei dieser Gruppe von Strahlenopfern meist nicht. Dennoch laufen zelluläre Prozesse auf Hochtouren. Versagen dabei Apoptose oder Reparatur, wird es kritisch. Über viele Jahre hinweg können dann entsprechend vorgeschädigte Zellen in den Prozess der Krebsentstehung eintreten, und schlussendlich teilt sich eine Zelle unkontrolliert. In Hiroshima und Nagasaki etwa konnten Epidemiologen auch bei relativ weit vom Abwurfort entfernten Menschen weitaus mehr Todesfälle durch Leukämie bzw. durch solide Tumoren nachweisen. Allerdings zeigen sich Auswirkungen des veränderten Erbguts möglicherweise erst bei späteren Generationen.

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2 Kommentare zu “Strahlenkrankheit verändert die DNA – Radioaktivität”

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Reutter,

    leider habe ich keine andere Möglichkeit als diesen Kommentar gefunden, um Ihnen zu schreiben.

    Ich würde Sie gerne auf unsere Homepage Paperblog (http://de.paperblog.com) aufmerksam machen. Wir möchten mit unserem Projekt ein alternatives Online-Medium aufbauen, indem wir die besten Artikel von Blogs zusammenstellen und veröffentlichen.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihre Beiträge eine Bereicherung für unsere Leser wären und würde mich freuen, wenn Sie sich als einer unserer Autoren einschreiben.

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    Johanna

    johanna@paperblog.com

    http://de.paperblog.com

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